Leading & Healing

Die Tore der Hölle öffneten sich an einem Montagmorgen mit einem einzigen Anruf. Mit dem Durchsuchungsbeschluss des Finanzamts gerät mein Leben, wie ich es kannte, von einem Moment auf den anderen in einen Ausnahmezustand.

Ich bin Nadine Herpolsheimer, Geschäftsführerin eines Unternehmens im Bereich Risikomanagement für den internationalen Automobilhandel. Über viele Jahre hinweg musste ich lernen, was es bedeutet, handlungsfähig zu bleiben, wenn andere über das eigene Leben bestimmen.

Ein Steuerfahndungsverfahren begleitete meine Familie und mich über ein Jahrzehnt. Zehn Jahre ohne Klarheit, ohne Sicherheit, ohne verlässlichen Boden unter den Füßen. Diese Zeit hat nicht nur unser Unternehmen, sondern meine Identität, meine Beziehungen und mein Verständnis von Verantwortung grundlegend verändert.

In diesen Jahren habe ich vieles verloren, was mir Sicherheit gegeben hatte. Gleichzeitig war ich gezwungen, genauer hinzusehen, ehrlicher zu werden und mir selbst weniger auszuweichen.

Daraus folgte keine spirituelle Suche im Rückzug, sondern mitten im Leben. Dort, wo täglich Entscheidungen getroffen und Gespräche geführt werden mussten, obwohl es keine Orientierung gab. Spiritualität wurde für mich keine Theorie oder eine Praxis im stillen Kämmerlein, sondern eine fortlaufende Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des Alltags.

Vielleicht war es kein Zufall, dass ich in dieser Zeit auf etwas zurückgreifen konnte, das viel früher in meinem Leben begonnen hatte. Ich bin bodenständig aufgewachsen, draußen, in der Nähe von Tieren und Natur. Als Kind kümmerte ich mich um unsere Schweine. Sie ließen sich nicht vertrösten und nicht kontrollieren. Sie verlangten Präsenz, Verlässlichkeit und einen klaren Blick für das, was gerade ist. Rückblickend war das eine frühe Schule darin, Verantwortung zu übernehmen.

Später habe ich mir ein anderes Leben aufgebaut. Unternehmertum, Wachstum, Entscheidungen mit Tragweite. Für mich war das kein Bruch mit meiner Herkunft, sondern eine Erweiterung. Erdung und Weite, Bodenständigkeit und Anspruch schlossen sich nicht aus, sondern bedingten einander.

Dieses Buch erzählt von Fremdbestimmung, von Angst und Ohnmacht, aber auch von dem Moment, in dem ich eine innere Entscheidung treffe. Nicht darüber, was passiert, sondern darüber, wie ich darauf reagiere. Ich hatte zwei Möglichkeiten: zusammenbrechen oder weitergehen. Wenn ich schon durch diese Hölle musste, dann bewusst und ja, auch auf High Heels.

Heute begleite ich als Mentorin Menschen, die an Wendepunkten stehen oder sich in Übergangsphasen wiederfinden. Menschen, die wissen, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist und die mit einfachen Antworten nicht weiterkommen.

Ich lebe mit meiner Familie in Kulmbach, in der Nähe von Nürnberg.




Ich habe aufgehört, zu funktionieren.
Habe aufgehört, mir selbst Geschichten zu erzählen.
Stattdessen habe ich begonnen, die Wahrheit auszuhalten.

Ich habe gelernt: Handlungsfähigkeit heißt nicht, Lösungen zu haben. Manchmal heißt sie nur, aufrecht zu bleiben. Weiterzugehen. Und sich selbst nicht zu verlassen.

Nadine

0–12 Jahre | Ursprung & Prägung

Ich komme aus einem bodenständigen, handwerklich geprägten Umfeld.

Materiell war dort nicht viel vorhanden, dennoch emotional alles: Liebe, Zusammenhalt und das Gefühl, gesehen und geliebt zu werden.

Das Leben wird gefeiert, wenn es etwas zu feiern gibt – auch dann, wenn es nur Kleinigkeiten sind.

12–18 Jahre | Werte & innerer Kompass

Ich habe früh Verantwortung übernommen und einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn entwickelt.

Mit zwölf Jahren verteidigte ich an einer Bushaltestelle ein körperlich beeinträchtigtes Kind. Eine kleine Narbe am Auge trage ich bis heute.

Nicht als Heldinnengeschichte – sondern als Erinnerung, dass Integrität Spuren hinterlässt.

18–20 Jahre | Bewusster Richtungswechsel

Nach dem Abitur verfügte ich über das Fachabitur und damit über die Möglichkeit zu studieren – ich entschied mich bewusst dagegen.

Nicht aus Mangel an Optionen, sondern aus innerer Klarheit.

ab ca. 20 Jahre | Berufliche Verankerung

Früh folgte ich einem inneren Impuls in die Automobilbranche – ein Umfeld, das Klarheit, Präzision und Belastbarkeit verlangt.

Als Frau war ich dort lange eine Ausnahme und etablierte mich durch Kompetenz, Präsenz und Verlässlichkeit.

2017–2019 | Unternehmerische Bewährung

Gemeinsam mit meinem Mann bauten wir ein Unternehmen auf und führen es bis heute mit jährlichem Wachstum.

2019 entschieden wir uns, das Business wieder gemeinsam zu führen – klar, bewusst und auf Augenhöhe.

ab 2021 | Neuausrichtung & heutiges Wirken

Am Silvestermorgen 2021 wurde mir klar, dass wirtschaftlicher Erfolg allein mich nicht vollständig trägt.

Heute arbeite ich mit Menschen, die spüren, dass sie mehr sind als ihre Rolle oder Zahlen.

Mein Weg war nicht immer linear – dafür war er immer meiner.